
Insulinpräparate: Insulinarten und deren Wirkung
Bei Diabetes mellitus ist der Blutzuckerspiegel erhöht, da der Körper nicht genug Insulin produziert oder das von der Bauchspeicheldrüse produzierte Insulin seine Wirkung nicht entfalten kann. Insulinpräparate dienen zur Therapie. Verschiedene Insulinarten werden allein oder in Kombination verordnet. Die Unterscheidung der verschiedenen Arten erfolgt nach Herstellung und Wirkdauer.
Insulinpräparate nach Herstellung
Das in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhältliche Insulin zur Behandlung von Diabetes mellitus wird im Labor gentechnisch hergestellt. Abhängig von der Herstellung werden Insulinpräparate folgendermassen unterschieden:
- gentechnisch hergestelltes Insulin als Humaninsulin und Insulinanaloga
- tierisches Insulin
In der Insulintherapie ist gentechnisch hergestelltes Insulin mittlerweile Standard. Von den meisten Diabetikern wird dieses künstliche Insulin angewendet.
Humaninsulin ist chemisch in seiner Zusammensetzung mit dem menschlichen Insulin identisch. Da es als erstes Insulin zur Behandlung von Diabetes mellitus verwendet wurde, wird es auch als Normalinsulin oder Altinsulin bezeichnet. Es ist nicht modifiziert und in der Regel schnell wirksam.
Humaninsulin ist verfügbar als ..
- Actrapid HM(R) von Novo Nordisk
- Huminsulin Normal(R) von Lilly
- Berlinsulin H Normal von Berlin Chemie
- Insuman Infusat(R) und Insuman rapid(R) von Sanofi
Insulinanaloga werden auch als Analoginsulin bezeichnet. Diese Insulinpräparate wirken ähnlich wie Humaninsulin, doch sind sie chemisch anders zusammengesetzt. Solche Insulinarten wirken im Vergleich zu Humaninsulin außerordentlich schnell oder außerordentlich langsam.
Tierisches Insulin wird aus der Bauchspeicheldrüse von Rindern oder Schweinen gewonnen. Es wurde von den gentechnisch hergestellten Insulinpräparaten verdrängt und wird heute in der DACH-Region so gut wie nicht mehr angewendet.

Insulinpräparate nach Wirkungsdauer
Die Insulinpräparate werden auch nach ihrer Wirkungsdauer unterschieden:
Kurzwirksame oder schnellwirksame Insuline
Die Wirkung dieser Insulinarten setzt schnell ein und hält nur wenige Stunden an. Sie werden zur Deckung des akuten Insulinbedarfs zusätzlich zu den Mahlzeiten angewendet. Die kurzwirksamen Insulinarten ahmen das Bolus-Prinzip nach, bei dem eine gesunde Bauchspeicheldrüse nach dem Essen Insulin zur Verwertung des Zuckers aus der Nahrung ausschüttet. Schnellwirksame Insuline sind als Insulinanaloga und Humaninsuline ohne wirkungsverzögernde Zusätze verfügbar.
Schnellwirksame Insulinpräparate als Insulinanaloge sind:
- Humalog(R) (Insulin Lispro(R)) von Lilly und Berlin Chemie
- FIASP(R) (Insulin Faster Aspart und NovoRapid(R) (Insulin Aspart) von Novo Nordisk
- Insulin lispro Sanofi(R) (Insulin-Lispro-Biosimilar) und Apidra(R) (Insulin Glulisin) von Sanofi
- Lyumjev(R) (Insulin Lispro) von Lilly
Intermediär wirksame Insuline
Intermediär wirksame Insulinpräparate sind Humaninsuline mit wirkungsverzögernden Zusätzen. Die Wirkung hält ungefähr zwölf Stunden an. Sie kann durch Zusätze von Zink, Surfen oder protamin verzögert werden. Solche Insulinpräparate sind:
- Insulatard Human Novo Nordisk(R) und Protaphan HM Novo Nordisk(R)
- Berlinsulin H Basal(R) von Berlin Chemie
- Huminsulin Basal Lilly(R)
- Insuman Basal Aventis(R) von Sanofi
Langwirksame Insuline oder Verzögerungsinsuline
Langwirksame Insuline decken den Grundbedarf des Körpers an Insulin unabhängig von den Mahlzeiten und werden auch als Basalinsuline bezeichnet. Diese Insulinpräparate ahmen die natürliche Aktivität der Bauchspeicheldrüse nach, die Insulin gleichmäßig über den Tag verteilt produziert. Die Wirkung dieser Insulinarten setzt langsamer ein als bei den kurzwirksamen Insulinen und kann bis zu 24 Stunden anhalten.
Die Verzögerungsinsuline werden subkutan, unter die Haut, gespritzt, in der Regel ein- bis zweimal täglich. Sie werden in Kombination mit oralen Antidiabetika bei der konventionellen und der intensivierten konventionellen Insulintherapie verwendet. In Deutschland werden verschiedene Insulinpräparate als Langzeitinsuline angeboten:
- Lantus(R) (Insulin Glargin) und Toujeo(R) (Insulin Glargin 300 I.E/ml) von Sanofi
- Levemir(R) (Insulin Detemir) und Tresiba(R) (Insulin degludec) von Novo Nordisk
- Lusduna(R) (Insulin-glargin-Biosimilar) von MSD
- Abasaglar(R) (Insulin-glargin-Biosimilar) von Lilly
Mischinsuline
Mischinsuline sind Kombinationen aus einem kurzwirksamen und einem intramediär oder langwirksamem Insulin. Diese Insulinpräparate sind in verschiedenen Kombinationen verfügbar und werden bei der konventionellen Therapie angewendet. Solche Insulinarten eignen sich für Menschen mit einem festen Tagesablauf und festen Essensgewohnheiten. Sie werden auch bei älteren Patienten zur Vereinfachung der Therapie angewendet. Zu den Mischinsulinen gehören diese Insulinpräparate:
- Actraphane(R) und NovoMix(R) von Novo Nordisk
- Huminsulin Profil III(R) und Humalog Mix(R) von Lilly
- Berlinsulin(R) von Berlin Chemie
- Insuman-COMB(R) von Sanofi
